Fotografie und Buchkunst

Schottland Oktober 2013

Nachtrag: Unsere Schottlandreise. Artikel & Album.

Im Oktober 2013 habe ich mir einen sehr, sehr langen Traum erfüllt und bin nach Schottland geflogen. Lasse war so lieb mitzukommen, und wir hatten einen ganz wundervollen Urlaub.

Schottland ist wirklich wunderschön, und die Schotten sind unglaublich nett. Ich liebe dieses Land! Im Herbst dort Urlaub zu machen hat einige Vorteile: Es gibt keine Stechmücken mehr, und auch nicht mehr so viele Touristen. Die Berge sind schneefrei vom Sommer, Land und Wasser noch aufgewärmt. Die ersten Blätter beginnen, herbstliche Fraben anzunehmen und das Heidekraut verfärbt sich rostrot. Wir hatten einen goldenen Oktober mit viel Sonnenschein und Temperaturen bis 20°C. Die Winterjacke hätte ich getrost zuhause lassen können :-)

In der Nachsaison kann man spontan herumreisen und findet überall sofort eine Übernachtungsmöglichkeit, egal ob Hotelzimmer, Bed & Breakfast, Backpacker-Hostel oder auf dem Campingplatz.

Wir haben für unseren ersten Besuch eine Rundreise geplant, die uns ein bisschen von allem bietet: Städte anschauen mit Übernachtungen in B & B und Hostels, Wandern mit Campingplatz, Lowlands, Highlands und Westküste.


Wir sind von Berlin aus nach Edinburgh geflogen und dann erst mal ein paar Tage in einem B & B in dieser wunderschönen Stadt geblieben. Die Landschaft dort sieht so aus wie bei uns daheim im Kraichgau, und es war deutlich wärmer als in Berlin. Edinburgh ist die Hauptstadt Schottlands, obwohl Glasgow größer ist. Eigentlich kann man auch einen ganzen Urlaub nur in Edinburgh verbringen, die Stadt ist spannend, altehrwürdig, romantisch und es gibt dort unglaublich viele Sehenswürdigkeiten. Es vibriert dort nur so vor Geschichte und Geschichten, die ganze Stadt ist historisch aufgeladen und hat eine faszinierende Atmosphäre.

Besonders hat mich Arthur’s Seat fasziniert, der Hausberg von Edinburgh, der mitten in der Stadt liegt und aussieht wie aus den Highlands dorthin verpflanzt. In Wirklichkeit handelt es sich um den Rest eines erloschenen Vulkans. Natürlich sind wir hochgestiegen und haben den Ausblick genossen.

Weitere Programmpunkte in Edi waren Stadtrundgänge mit dem Aussichtspunkt Calton Hill, die Royal Mile von ganz unten bis ganz oben, die High Kirk St. Giles, Old Town und ein Ausflug zum Hafen samt Pubbesuch. Dann noch Charlotte Sq., George St. und Umgebung. Dieses Stadtviertel heißt New Town und wurde von Robert Adam 1791 entworfen. Charlotte Sq. und die George St., die Hauptachse von New Town, sind neoklassizistisch und New Town ist das am besten erhaltene und am wenigsten veränderte georgianische Architekturensemble der Welt. Zusammen mit Old Town wurde sie 1995 UNESCO Weltkulturerbe.

In einem schottischen Pub sollte man auf jeden Fall ein schottisches Ale vom Fass probieren, das mit einer Handpumpe heraufgepumt wird. Dieses leckere Bier ist kräftig im Geschmack, kellerkühl und hat nicht so viel Kohlensäure. Da ich das aus Franken bereits gewohnt bin, habe ich mich mit dem schottischen Bier sofort anfreunden können. Wer hätte es gedacht :-)


Zweite Station unserer Reise war die Hauptstadt der Highlands: Inverness, wo schon die Pikten lebten und im 11. Jahrhundert Macbeth regierte. Inverness ist eine süße kleine Stadt, aber bestens auf Touristen vorbereitet. Ich habe noch nirgends so viele Outdoor-Shops auf so kleinem Raum gesehen!

Auch hier haben wir in einem B & B übernachtet und ein paar Ausflüge gemacht: Innenstadt anschauen, Battlefield of Culloden, Loch Ness und Urquhart Castle. Bereits in Inverness habe ich gemerkt, wie wohl ich mich in Schottland fühle. Es fühlt sich für mich nicht an wie ein fremdes Land oder »Ausland«.

Von Inverness sind wir dann auf den Great Glen Way gestartet, den wir bis nach Fort William abgeklappert haben. Die erste Etappe nach Drumnadrochit haben wir zu Fuß zurückgelegt, was ziemlich anstrengend war mit unseren schweren Rucksäcken. Am Ziel angelangt haben wir dann auch in das erste Hotel eingecheckt, das wir gefunden haben, anstatt noch den Campingplatz zu suchen und das Zelt im Dunkeln aufzubauen. Nach einem heißen Bad und erholsamem Schlaf kam die gute Laune am nächsten Tag wieder, zusammen mit enormem Muskelkater.

Dritte Station war Invermoriston, das wir mit dem Citylink-Bus und bei strahlendem Sonnenschein erreicht haben. Kleiner linguistischer Exkurs: »Inver« heißt »Mündung«, »Glen« heißt »Tal«, »Ben« heißt »Berg«, »Loch« heißt »See«. Dank der Ortsnamen weiß man hier gleich, was Sache ist: Invermoriston liegt im Glen Moriston, am Fluss Moriston, der hier in den Loch Ness mündet.

Wir haben in Invermoriston einen kleinen Fußweg oberhalb des Flusses entdeckt, der in der Nähe der eindrucksvollen »Old Bridge« von Thomas Telford beginnt. Der Weg führt mal durch den Wald und mal direkt am Abhang entlang und hat mich völlig umgehauen vor lauter Schönheit und wilder Natur.

Schottland ist voll von derart kraftvollen Orten. Auch Loch Ness ist solch ein Ort, und wir haben hier direkt am Ufer übernachtet. Es lohnt sich wirklich, mal draußen zu schlafen. Um uns herum war nur Stille, der See, der Wald und Sterne, Sterne, Sterne! Der Mond war halbvoll und stand im Süden über dem Wald. Dann hat auch noch ein Käuzchen gerufen- Gänsehautfeeling pur.


Am nächsten Morgen sind wir extra früh aufgestanden, um den grandiosen Sonnenaufgang mitzuerleben. Nebel stieg aus dem Loch Ness auf, und langsam erwachte die Natur, bis die Sonne die Berge regelrecht entflammt und alles in goldenes Licht getaucht hat. Es gibt nicht viele Worte in der deutschen Sprache, die diese Schönheit angemessen beschreiben könnten. Ich war jedenfalls völlig aus dem Häuschen und wollte gar nicht aufbrechen. Einer dieser perfekten Momente eben.

Die nächste Etappe auf dem Great Glen Way, Invermoriston - Fort Augustus, sind wir wieder gewandert. Eine wundervolle Wanderung am Loch Ness entlang bei strahlendem Sonnenschein und bester Laune. Fort Augustus ist ebenfalls ein schnuckeliges kleines Dorf, hat mich aber nicht so mitgerissen wie Invermoriston mit seiner atemberaubenden Schlucht. Fort Augustus liegt am unteren Ende des Loch Ness, und dort hieß es Abschied nehmen von diesem mystisch-magischen See. Hier gibt es eine fünfstufige Schleuse zu bewundern. Wir haben verfolgt, wie sich das Schiff »Lord of the Glens« dort hindurchgequetscht hat. Hat ziemlich lange gedauert :-)

Nach einer Übernachtung in Fort Augustus fuhren wir mit dem Bus weiter nach Fort William, nach Inverness die zweitgrößte Stadt der Highlands. Hier haben wir die Überreste der Old Fort besichtigt und uns - mal wieder bei strahlendem Sonnenschein - ans Ufer des Loch Linnhe gesetzt, uns ob des Kaiserwetters ordentlich ins Fäustchen gelacht und Energie getankt (und einen Schluck Whisky). Damit hatten wir auch den Endpunkt (oder Start, je nach dem) des Great Glen Way erreicht.


Fort William ist auch der Endpunkt eines anderen Wanderweges, des West Highland Ways. Der soll schöner und abwechslungsreicher sein als der Great Glen Way. Mal sehen, vielleicht ist der ja bei der nächsten Reise an der Reihe!

Abends sind wir aus der Stadt rausgewandert zum Campingplatz am Fuße des Ben Nevis, des höchsten Berges von Großbritannien. Seine Spitze hat auch ganz majestätisch und rotgolden für uns in der Abendsonne gefunkelt. Der Glen Nevis Campingplatz ist super ausgestattet und war im Oktober fast menschenleer. Im Sommer muss es hier allerdings vor Touristen nur so wimmeln, da alle auf den Berg steigen wollen.

Von Fort William sind wir dann mit dem Bus nach Oban an die Westküste gefahren. Die eineinhalbstündige Fahrt verging wie im Flug, da wir mal wieder viel zu gucken hatten und uns die Hälse verrenkt haben, um möglichst viel von der schönen Landschaft zu sehen. Auf dieser Strecke kommt man auch am Castle Aaargh vorbei, welches bekannt ist aus Monty Pythons »Ritter der Kokosnuß« und eigentlich Castle Stalker heißt. Echt putzig, wie es dort auf seiner kleinen Insel steht.


Oban ist eine süße Stadt am Firth of Lorn, ihr vorgelagert liegt die Isle of Mull. Hier war es zwar bewölkt, aber deutlich wärmer als am Ben Nevis und - wie fast immer in unserem Urlaub - trocken. Landeinwärts, gleich hinter der Stadt, schießen die Berge in den Himmel, sehr eindrucksvoll!

In Oban haben wir im Hostel übernachtet. Hier haben wir uns die Stadt angeschaut und natürlich die Whisky-Destille besichtigt. Der Whisky ist sehr, sehr lecker, einer meiner Lieblinge. Oban ist gemütlich und sympathisch, die Nebel verhüllen mystisch die kleinen, vorgelagerten Inselchen und wenn man an der Küste spazieren geht, glaubt man, in weiter Ferne die Insel Avalon erahnen zu können.

Von Oban sind wir mit dem Zug über Glasgow, wo wir aber nur umgestiegen sind, zurück nach Edinburgh gefahren und wurden noch einmal mit einem Ausblick auf wunderschöne Landschaften belohnt. Für so ein kleines Land ist die Landschaft enorm spannend und abwechslungsreich. Auf der Zugfahrt tauchte ständig irgendwo ein neuer Berg auf, und hinter jeder Kurve gab es neue Enblicke in Täler und auf sattgrüne Wiesen. Wenn man nach unten schaute, floss immer irgendwo ein wildromantischer Bach. Die Wolken hingen pittoresk an den Berghängen, und manche Täler waren kaum einsehbar, da sie ganz wolkenverhangen waren. *Seufz*

Die Schotten sind einfach nette, herzliche, lockere und entspannte Leute. Schaffner und Getränkeverkäufer setzen sich hier im Zug zu den Passagieren und quatschen mit ihnen. Sie haben diese Zeit einfach, sie nehmen sie sich. Hier läuft alles gemütlicher ab, ohne Stress, die Menschen sind höflicher, rücksichtsvoller und sie haben bessere Laune als die Deutschen.


Das Land ist mystisch, energiegeladen und so schön, dass es einen zu Tränen rührt. Man sollte sich gut überlegen, nach Schottland zu reisen: Es kann passieren, dass man nicht mehr der selbe ist, wenn man wieder nach Hause kommt :-) Schottland ist meine Herzensheimat, das wusste ich schon lange vor dieser Reise. Und ich werde sicher noch oft dorthin zurückkehren.

  • Edinburgh
    Edinburgh
  • Scotts Monument
    Scotts Monument
  • Arthur’s Seat
    Arthur’s Seat
  • Calton Hill
    Calton Hill
  • St. Giles
    St. Giles
  • Hafen von Edinburgh
    Hafen von Edinburgh
  • New Town
    New Town
  • Inverness
    Inverness
  • Battlefield of Culloden
    Battlefield of Culloden
  • Battlefield of Culloden
    Battlefield of Culloden
  • Scottish Thistle in bloom
    Scottish Thistle in bloom
  • Loch Ness
    Loch Ness
  • Liegt hier Nessies Goldschatz?
    Liegt hier Nessies Goldschatz?
  • Urquhart Castle
    Urquhart Castle
  • Auf dem Weg nach Drumnadrochit
    Auf dem Weg nach Drumnadrochit
  • Old Bridge in Invermoriston
    Old Bridge in Invermoriston
  • River Moriston
    River Moriston
  • Loch Ness bei Invermoriston
    Loch Ness bei Invermoriston
  • Auf dem Weg nach Fort Augustus
    Auf dem Weg nach Fort Augustus
  • Schleuse von Fort Augustus
    Schleuse von Fort Augustus
  • Old Fort und Loch Linhe, Fort William
    Old Fort und Loch Linhe, Fort William
  • Glen Nevis
    Glen Nevis
  • Oban
    Oban
  • McCaig’s Tower, Oban
    McCaig’s Tower, Oban
  • Avalon?
    Avalon?